Everling Internet Newsletter - ISSN 1613-4524

Nagel und Stalder - Dr. Ebertz & Partner - HVB Group - Wieselhuber - Callahan NRW

Themen heute:

  1. Kurt Nagel und Jürgen Stalder schreiben über "Rating"
  2. Spezial-Research zur Situation bei der Dr. Ebertz & Partner GmbH
  3. DZ Bank jubiliert über Downgrade für HVB Group
  4. Mangel an innovativen Führungssystemen im deutschen Mittelstand
  5. S&P distanziert sich von Callahan Nordrhein-Westfalen

Veranstaltungshinweise:

Im Maritim Kurhaushotel Bad Homburg sorgt EUROFORUM Deutschland für einen Höhepunkt der Ratingbranche: "Internes versus externes Rating und die Auswirkungen auf die Bankenwelt" sind Gegenstand der zweitägigen Konferenz am 28. und 29. Oktober 2002. Programm und Anmeldung: http://www.euroforum.de/daten/pdf/P14316.pdf.

Willkommen beim Everling Internet Newsletter Ausgabe 31/2002 vom 31. Juli 2002!

1. Kurt Nagel und Jürgen Stalder schreiben über "Rating"

Für Liebhaber guter Binderarbeit ist das neue Buch von Kurt Nagel und Jürgen Stalder eine Freude: So kommt das soeben beim "verlag moderne industrie" in der Reihe "Redline Wirtschaft" erschienene Buch aus der "manager magazin Edition" mit einem festen Einband und dickem Papier daher, so dass sich die 251 Seiten des Buches gut in die Hand legen und zur Urlaubslektüre anbieten.

Der Seitenumfang täuscht jedoch über das zu erwartende quantitative Lesevergnügen (zum qualitativen später): So dürfte selbst ein langsamer Leser in nur wenigen Stunden das Buch von der ersten bis zur letzten Seite sorgfältig studiert haben können. Auf vielen Seiten finden sich nur wenige Dutzend großformatige Worte in wichtig anmutenden grafischen Darstellungen, die in Sekundenschnelle aufgenommen werden können. Zudem ist der Text in sehr einfacher Sprache verfasst, so dass kein Leser des "manager magazins" zu viel Theorie fürchten muss, wenn er nach dieser Empfehlung des "manager magazins" greift. Die Autoren verzichten - wohl im Interesse der besseren Lesbarkeit - auf jeden wissenschaftlichen Standard, aber auch darauf, sich an der wegen der kommenden Gesetzgebung inzwischen als "offiziell" zu bezeichnenden Terminologie im Rating zu halten.

Wie es sich für ein modernes Buch gehört, findet sich am hinteren Einband eine CD-Rom eingeklebt. Auf dem Umschlag wird diese "mit Blankoformularen zum Ratingmodell" ankündigt. Tatsächlich enthält die CD-Rom auch nur Blankoformulare und kein Ratingmodell. Bei den Formularen handelt es sich um sehr einfache Tabellen, die in ein Word-Dokument geschrieben wurden. Berechnungen sind mit diesen Formularen nicht möglich, Formeln sind nicht hinterlegt. In der Praxis können sie daher entweder dazu dienen, sie nach Ausdruck mit der Hand auszufüllen, oder sich der Herausforderung zu stellen, diese in ein Tabellenkalkulationsprogramm wie Excel zu konvertieren.

Das auf der CD-Rom vorfindliche Material gibt lediglich Darstellungen wieder, die auch aus dem Buch herauskopiert werden könnten. Die CD-Rom ist daher nicht geeignet, das kurze - soweit vorhandene - Lesevergnügen zu verlängern. Von der 650 MB starken CD-Rom werden durch die Word-Datei nur 431 KB belegt. Da sich die gleichen Tabellen auch als pdf-Datei wiederfinden, werden insgesamt nur 626 KB, also nicht ein Hundertstel der Datenmenge angeboten, die eine CD-Rom erwarten lässt.

Beim ersten Durchblättern lassen die zahlreichen Tabellen und konkret wirkenden Ratschläge eine sehr praxisorientierte Darstellung vermuten, die den Schwerpunkt auf die praktische Anwendung von Ratingmethoden legt. Schon bei den ersten Versuchen jedoch, die angebotenen Hilfen und "PC-gestützten Werkzeuge", wie es im Vorwort heißt, mit konkreten Inhalten zu füllen, dürften jedem mittelständischen Unternehmer jedoch die Grenzen deutlich werden. Mit modernen Geschäftsführungssystemen haben diese Zeichnungen nichts zu tun.

Das Buch ist ein Beweis dafür, dass "Rating" zum Modewort geworden ist. So lautet der Titel "Rating - Bonität steigern, bessere Kreditkonditionen erreichen, Finanzierung sicherstellen". Im Englischen scheint es dagegen um ein ganz anderes Thema zu gehen. Der Titel der amerikanischen Originalausgabe heißt "The Art of War for Executives". Mit einer anderen "Verpackung" lässt sich offenbar der gleiche Inhalt an eine völlig andere Zielgruppe verkaufen.

Autor Prof. Dr. Dr. Kurt Nagel bezeichnet sich als "anerkannten Managementtrainer und Berater wichtiger Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung" und fügt hinzu, dass er "Autor erfolgreicher Checklisten- und Grundlagenwerke zum Thema Unternehmensführung für den Mittelstand" sei. In den USA wird üblicherweise zwar von kleinen und mittleren Unternehmen, jedoch kaum von einem "Mittelstand" gesprochen. Die gewählten Begriffe sind demnach ein Tribut an die deutsche Zielgruppe, die sich schneller durch einige vertraute Schlagworte angesprochen fühlen soll.

Es ist das Verdienst von Mitautor Jürgen Stalder, in das Buch einige Bezüge zur deutschen Wirtschaft eingebracht zu haben. Stalder bezeichnet sich als "Trainer und Berater in den Bereichen Mittelstand und Handwerk". Als eine Art Franchise-Nehmer implementiert er "weltweit die von Kurt Nagel entwickelten Methoden und Instrumente in Unternehmen."

Das Buch startet mit einer mangelhaften Definition des Begriffs "Rating", der weder mit der Definition des Baseler Konsultationspapiers, noch mit der anerkannter Ratingagenturen korrespondiert, obwohl sich die Autoren ausdrücklich auf diese Agenturen beziehen. Originell ist die Idee, das Wort "Rating" als Akronym für "Richtung vorgeben, Agieren zur Maxime machen, Team-Entscheidungen der Beteiligten ermöglichen, Informationen geben und holen, Notfall-Lösung erarbeiten, Gewinnsituation verbessern" zu präsentieren. Damit schüren die Autoren ein völliges Missverständnis dessen, was mit Rating gemeint ist.

Nagel und Stalder wissen zwischen den Dualismen "qualitative und quantitative" und "harte und weiche" Faktoren nicht zu differenzieren. So werden "Produkte/Dienstleistungen" oder auch "Qualität des Managements" zur Definition "weicher Faktoren" aufgeführt, obwohl auch diese Beurteilungsdimensionen anhand "harter Faktoren" gemessen werden können.

In ihrer Auswahl willürlich kommen die Autoren auf einige Ratingagenturen zu sprechen, mit denen sie wahrscheinlich nie Kontakt hatten. So werden alle für den deutschen Mittelstand relevanten Ratingagenturen ignoriert. Statt dessen wird von Euronation France, Paris (ENF) berichtet: Gemeint ist die Euronotation France S.A. Die Autoren hätten immerhin ein ganzes Jahrzehnt Zeit gehabt, um zu erfahren, dass es diese Agentur nicht mehr gibt.

Unerklärlich sind auch die Angaben, die zur Companhia Portuguesa de Rating S.A. in Lissabon gemacht werden ("... erlangte schnell internationale Bedeutung"). Völlige Unkenntnis der Ratingagenturen wird auch bei den Angaben zur Fitch/IBCA dokumentiert, die in Wirklichkeit Fitch Ratings heißt: "Diese Agentur hat sich auf die Analyse von Banken, deren Schwerpunkt in [wegen eines Druckfehlers lässt sich die Angabe nicht lesen] liegt, spezialisiert. Aufgrund ihres Standortes beurteilt sie darüber hinaus vornehmlich noch Industrieunternehmen aus Großbritannien."

In fast jedem Abschnitt des Buches wird der Leser mit falschen oder fehlenden Angaben fündig. So wird beim offenbar freihändig gezeichneten Zusammenhang zwischen Ratings und kumulativen Insolvenzraten keine Angabe gemacht, auf welchen Zeithorizont sich die Darstellung bezieht. Bei der Angabe der "geplanten Gewichtung der Eigenkapitalhinterlegung" wird unterschlagen, dass diese sich nur auf den Standardansatz beziehen.

Falsche Hoffnungen wecken die Autoren, wenn sie unter den "Auswirkungen der Basel-Ratingvorschriften" auf die Kreditzinsen schreiben, "früher war die verhandelbare Spanne gering, morgen wird die Spanne weitaus größer sein". Irreführend wird auch das "neue Rollenverhalten im Kreditrating" skizziert. So glauben die Autoren, dass in der "Vergangenheit" bei Kreditentscheidungen nur "harte Faktoren" eine Rolle spielten, in "Zukunft" aber "harte und weiche Faktoren" - dabei spielten diese schon immer eine Rolle. Für Unkenntnis des Bankgeschäfts in der Vergangenheit spricht auch die falsche Annahme, früher hätte "die Zukunft" keine Rolle gespielt.

Die zahlreichen Tabellen und Darstellungen, die offenbar Folien aus Standardvorträgen zum Thema Rating entnommen wurden, lassen mit Schrecken ahnen, welche Verunsicherung und welche Fehlinformation durch hemmungslose Berater in mittelständische Unternehmen hineingetragen wird. Das Buch in der "manager magazin Edition" bietet dazu eine weitere Plattform.

Der Leser wird angeleitet, nach Studium einiger Schlagworte zu Basel II sich mit dem Ratingsystem der Genossenschaftsbanken zu befassen. Dabei unterschlagen die Autoren die Information, dass das von ihnen dargestellte System mit Sicherheit nicht den Anforderungen von Basel II entspricht, so dass es für den Leser kaum noch praktische Relevanz haben wird. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e. V. stellt bereits ein grundlegend erneuertes Ratingsystem zur Verfügung, das den Anforderungen von Basel II genügen dürfte.

Korrekt wird allerdings auf den "Aufbau des neuen DSGV-Ratingverfahrens" hingewiesen. Unerklärlich bleibt dabei jedoch, weshalb es den Autoren nicht gelingt, aus den dazu bereits verfügbaren Quellen richtig abzuschreiben. Tatsächlich nehmen sie Abänderungen vor, die zu einer völlig falschen Wahrnehmung führen dürften.

Der Hauptteil des Buches hat dann nur noch wenig mit dem Rating zu tun, dass den durch Basel II verunsicherten Käufer wohl ursprünglich zum Griff zu diesem Titel verleitete. Hier stellen die Autoren ihr eigenes Modell zur ganzheitlichen Diagnose von Unternehmen vor. Dazu seien vier Bereiche zu analysieren: Finanzstärke, Marktstärke, Erfolgsfaktorenstärke und Sicherheitenstärke. Zu jedem Bereich werden fünf Kriterien präsentiert und erläutert.

Zahlreiche Formulare und Quicktests fordern zum "Mitmachen" auf. Die Mühe dürfte jedoch kaum gelohnt werden: Weder erhält am Ende der Banker die für sein Rating relevanten Daten, da er nach anderen Kriterien vorgeht, noch erhält der Unternehmer für sein Unternehmen ein Rating, das ihm eine Aussage über die Insolvenzwahrscheinlichkeit seines Unternehmens machen würde.

An verschiedenen Stellen sind in das Buch Beurteilungsskalen eingestreut, nach denen beispielsweise die Gesamtkapitalrentabilität und andere Kennzahlen klassifiziert werden sollen. So soll eine Gesamtkapitalrentabilität von mehr als 15 % als "sehr gut", von mehr als 12 % als "gut", mehr als 8 % als "mittel" und bei weniger als 8 % als "schlecht" beurteilt werden. Diese wie auch viele andere Angaben klingen zwar plausibel, entbehren aber jeder empirischer Fundierung. Oft wird von den Autoren die mangelnde Generalisierbarkeit ihrer Aussagen verkannt.

Ein "Praxisbeispiel" zum Entwerfen eines Systems für Mitarbeiterziele befasst sich mit den Vorteilen von Stellenbeschreibungen. Das Buch hält zahlreiche Vorlagen bereit: Ein Einladungsschreiben zum Gespräch "Kooperative Zielvereinbarung" an die Mitarbeiter des Unternehmens, Anregungen zur Gesprächsvorbereitung, Vorschläge für eine kooperative Zielvereinbarung und für eine Mitarbeiterbeurteilung. Leider versäumen es die Autoren zu unterstreichen, dass all die - zwar möglicherweise nützlichen - Formulare keine zwingende Voraussetzung für ein gutes Rating sind, meist sogar überhaupt nichts mit dem Ratingprozess zu tun haben.

Das Buch beweist, dass "Rating" offenbar vom Verlag als ein zugkräftiger Titel eingeschätzt wird. Unternehmensberater bemühen sich rasch, ihre überkommenen Beratungsansätze durch Rating in ein neues Gewand zu kleiden. Der Titel aus der "manager magazin Edition" zielt auf den unkundigen Käufer, der mangels besserer Information die Fehlerhaftigkeit der Darstellung nicht zu durchschauen vermag.

Kosten und Zeitverschwendung bei zahlreichen mittelständischen Unternehmen, die um ihre Existenz fürchten, sind vorprogrammiert. Die Verantwortung für die Verunsicherung im Mittelstand, die ein solches Werk erst möglich macht, liegt einerseits bei der Bundesregierung, die beispielsweise durch die Ankündigung des Bundeskanzlers, in Basel gegebenenfalls ein Veto einzulegen, die Forderung nach einer neuen Bank zur Mittelstandsfinanzierung oder die Auflage von subventionierten Kleinkreditprogrammen die Befürchtungen eher geschürt als beschwichtigt haben. Andererseits wird der Nachholbedarf deutlich, den Banken in der offenen Kommunikation ihrer internen Ratingsysteme aufweisen.

Vergisst man einmal den Anspruch der Autoren, etwas zum Thema "Rating" beigetragen zu haben, so kann dem Buch durchaus Positives abverlangt werden. Für den Laien ist es eine einfache Einführung in betriebswirtschaftliche Zusammenhänge. Für Unternehmer, die sich - aus welchen Gründen auch immer - mit den wirtschaftlichen Zusammenhängen in ihrem Unternehmen noch nicht befasst haben, vermag der Ansatz von Nagel und Stalder dazu anregen, ihren Betrieb ganzheitlich zu betrachten.

2. Spezial-Research zur Situation bei der Dr. Ebertz & Partner GmbH

Gemäß Heinz Gerlach vom "Direkten Anlegerschutz" (www.direkteranlegerschutz.de) seit dem 15.07. vorliegenden „Umsatzplanung 2002/2003“ der Dr. Ebertz & Partner GmbH, Köln, war noch vor kurzem ein Zeichnungskapital von 639,7 Mio. € im Fonds- und Einzelvertrieb zu platzieren. 21 der 24 aufgelisteten Fonds sind – meist nur geringfügig – anplatziert, schreibt Gerlach.

"Ein Platzierungsvolumen, das angesichts der Verunsicherung der Dr.-Ebertz-Vertriebsmitarbeiter sowie der Marktverfasssung die Frage nach der Realitätsnähe der Planung aufwirft." Gerlach weiter: "Diese Zahlen unterlegen die erheblichen wirtschaftlichen Probleme bei Deutschlands größter Hotelgesellschaft Dorint AG, Mönchengladbach, die wir in Nr. 27B/02 auf der Basis der tief recherchierten HANDELSBLATT-Berichterstattung vom 05.07. dokumentiert haben – und die von dem Fondsinitiator Dr. Herbert Ebertz, Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Ebertz & Partner GmbH und Hauptaktionär der Dorint AG, bisher nicht widerlegt wurde."

Tatsächlich sind von Dr. Ebertz keinerlei Informationen über die Bonitätsentwicklung oder gar ein Rating gegeben. So wird von Recherchen berichtet: "Leider werde ich bei Dr. Ebertz & Partner rigoros abgeschmettert. Ich hatte dann ... noch mal versucht, eine E-Mailadresse zu bekommen, wo wir unser Anliegen schriftlich vorbringen könnten - leider ohne Erfolg." Da Externe offenbar keinerlei Informationen erhalten, sind die Angaben umso wertvoller, die sich aus dem Research von Gerlach ergeben.

Der Dorint AG fehlen offensichtlich erhebliche Deckungsbeiträge, die bei schnellerer Platzierung – die frühere Vertriebsstärke von Dr. Ebertz unterstellt – bereits zu erheblichen Teilbeträgen realisiert worden wären. Gerlach verweist auf Dokumente, die aus seinem Research abrufbar sind.

Die Liste korrespondiert mit der von der für Dr. Ebertz tätigen Vertriebsgesellschaft BERNHARD GmbH RDM, Merzhausen, unter www.bernhard-gmbh.de ins Internet gestellten „Kurzinformation über Beteiligungsangebote der Dr. Ebertz & Partner GmbH“ (authentische Liste verfügbar unter www.direkteranlegerschutz.de oder auf der DA-CD-ROM Juli 2002).

Bereits Anfang Juli hatte Gerlach Ebertz bezogen auf den Sachwertfonds 115 DORINT HOTEL GOLF DEL SUR DR. EBERTZ KG eine Informationsabklärung gesandt. Aus der Antwort darauf schenkt Gerlach besondere Beachtung dabei der Ebertz-Behauptung, dass ein Totalverlustrisiko deshalb nicht besteht, weil eine Platzierungsgarantie von Dr. Ebertz & Partner vorliegt und „alle ... aufgelegten Fonds ausnahmslos voll platziert wurden“.

Diese Aussage bedeutet, folgert Gerlach richtig, dass die von der Dr. Ebertz & Partner GmbH ausgesprochenen Platzierungsgarantien bei einem im Vertrieb befindlichen bzw. anplatzierten Zeichnungskapital von 560,7 Mio. € (s. obige Objektliste, Ziffer 1. bis 21.) werthaltig
sind, d.h. dass bei der Dr. Ebertz & Partner GmbH eine ensprechende Bonität in der Nähe der Mündelsicherheit besteht.

Die Dr. Ebertz & Partner GmbH will darüber jedoch keinerlei Angaben in Form eines Ratings machen. Erst durch ein Rating wäre es möglich, die im Raum stehenden Behauptungen über die Zahlungsfähigkeit der Dr. Ebertz & Partner GmbH zu relativieren. Solange Berater und Anleger nicht stets auch nach dem erteilten Rating fragen, dürfte es weniger seriösen Anbietern leicht fallen, ihre Kunden zu übervorteilen. Wegen der Langfristigkeit der Anlagen dürfte oft erst nach Jahren feststehen, welche Verluste Anlegern daraus entstehen.

Auch Gerlach erhielt keine Aussagen aus der Dr.-Ebertz-Stellungnahme zu seinen Fragen zur Nichtdurchführung von Wirtschaftsprüfer-Prospektgutachten nach dem IDW-Standard und zur Unvollständigkeit der Prospekte (auch) gemäß § 264a StGB.

3. DZ Bank jubiliert über Downgrade für HVB Group

"Downgrade für HVB Group: Moody’s macht endlich Nägel mit Köpfen!" Dies schreibt die DZ Bank AG in ihrer Research-Publikation "Euro Credits Weekly" in der 31. Woche 2002. Die für die Analysten der DZ Bank erfreuliche Verschlechterung wird ausführlich begründet.

Vor rund vier Wochen hatte Moody’s das langfristige Rating der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG (HVB) auf die Watchlist für eine mögliche Herabstufung gesetzt. Nach der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen "machte die Agentur Nägel mit Köpfen", wie Analystin Sandra Neumann formuliert, und stufte das langfristige Rating von Aa3 auf A+ mit stabilem Ausblick zurück. Aufgrund des Notching-Ansatzes der Agentur – nachdem das Rating für die Hypothekenpfandbriefe einer Bank nicht mehr als drei "notches" über dem Emittentenrating liegen darf – führte dies auch zu einer Herabstufung des Ratings für Hypothekenpfandbriefe des Instituts von Aaa auf Aa1. Das Rating für die Öffentlichen Pfandbriefe wurde bestätigt.

Von dieser Aktion ebenfalls betroffen sind die Emittenten- und Pfandbriefratings der Tochterunternehmen der HVB Gruppe. So werden Bank Austria und HVB Real Estate Bank jetzt wie ebenfalls mit A1 bewertet. Im Gegensatz zu WestHyp und WürttHyp, die jetzt mit A2 bewertet werden, liegt das langfristige Rating der HVB Real Estate Bank auf dem gleichen Niveau wie das ihrer Mutter. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die HVB Real Estate Bank eine wichtigere Komponente für das Kerngeschäft der HVB ist, schreibt die DZ Bank in ihrem Bericht.

Die Agentur hält bei den derzeitigen Fundamentaldaten der HypoVereinsbank ein Rating im guten Single A Bereich für passender, gibt die DZ Bank Moody's Kommentar wieder. Die Verbesserung ihrer schwachen Rentabilität bleibt eine Herausforderung für die HVB. Darüber hinaus lässt die Steigerung der Effizienz durch gezielte Kostensenkungsmaßnahmen nur sehr langsam Erfolge erkennen. Bezüglich der Aktivaqualität ist die Agentur ebenfalls kritisch eingestellt und rechnet auch in Zukunft mit erhöhtem Wertberichtigungsbedarf.

Die beiden anderen Ratingagenturen S&P und Fitch sehen die Bonität der HVB schon seit einiger Zeit nicht mehr im Doppel A Bereich. Als letzte Agentur hat Moody's die Veränderungen erkannt. Die DZ Bank hatte ihren CRESTA-SCORE für die HVB eine Woche zuvor aufgrund der verschlechterten Fundamentaldaten von A+ auf A heruntergenommen.

Die Anleihen der HVB haben erwartungsgemäß nicht reagiert, sagt Neumann. Die ausstehenden Anleihen der HVB notieren schon länger nicht mehr auf Doppel A Niveau. Erwartungsgemäß, so die Analysten weiter, haben somit die Spreads sowohl im senior Bereich als auch bei den nachrangigen Papieren nicht auf die Ratingänderung durch Moody’s reagiert. Eine vierjährige Anleihe der HVB (5,125%; 05/06; WKN 593421) notiert derzeit bei Swap +14 Basispunkten, für eine achtjährige Anleihe (5,625%; 01/10; WKN 282964) erhält ein Investor 30 Basispunkte über Swap. Vor dem Hintergrund des CRESTA-SCORE von A betrachtet die DZ Bank die erwähnten Anleihen "nicht als Schnäppchen", so wörtlich.

4. Mangel an innovativen Führungssystemen im deutschen Mittelstand

Die Alarmzeichen werden übersehen, Krisensituationen zu spät erkannt und Gegenmaßnahmen unzureichend koordiniert. So fasst Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Stefan Habermann, Projektleiter BSC-Studie bei Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) die aus einer Studie der Unternehmensberatung gewonnenen Erkenntnisse zusammen. Der intensive Wettbewerb, unter anderem bedingt durch die Öffnung des Europäischen Binnenmarktes und die fortdauernde Globalisierung, macht auch vor dem deutschen Mittelstand nicht halt. Die qualifizierte Bewertung von Zukunftsszenarien sowie die Gestaltung und Umsetzung schlüssiger Strategien werden zu immer wichtigeren Erfolgsfaktoren, um sich am Markt nachhaltig zu behaupten.

Die Umfrage von W&P (www.wieselhuber.de) zeigt, dass Probleme bei der Realisierung von Strategien häufig auf Mängel bei den angewandten Führungssystemen zurückzuführen sind. In diesem Zusammenhang hat W&P-Berater Stefan Habermann den konkreten Nutzen der Balanced Scorecard (BSC) für den deutschen Mittelstand untersucht. Mit Hilfe der BSC werden Strategien in konkrete, operative Maßnahmen übersetzt und auf alle relevanten Organisationseinheiten heruntergebrochen. Die Strategie wird so nicht nur vollständig beschrieben, sondern es werden im Vorfeld auch Lücken und Widersprüche aufgezeigt, die bei der BSC-Erstellung beseitigt werden können. Der wesentliche Nutzen der Balanced Scorecard liegt in der konsequenten Strategieumsetzung und somit in der nachhaltigen Erreichung der Unternehmensziele.

Um so erstaunlicher ist es, das die Balanced Scorecard im krisengeschüttelten deutschen Mittelstand bisher auf keine große Verbreitung stößt, sagt Habermann. Zwar geben knapp 93 Prozent der befragten Unternehmen an, das Konzept zu kennen, aber lediglich 17 Prozent haben die BSC auch tatsächlich eingeführt. Eine vergleichbare Studie unter den deutschen Top 200 Unternehmen zeigt, dass hier bereits 50 Prozent der befragten Unternehmen eine Balanced Scorecard besitzen.

Bemerkenswert ist, freut sich der Berater, dass über 85 Prozent der mittelständischen BSC-Nutzer der Meinung sind, dass sich die Implementierung des Systems gelohnt hat. Sie alle würden die Balanced Scorecard jeder Zeit wieder einführen. Fast 50 Prozent der Befragten gaben an, dass sich Ihr Verständnis für die Unternehmensstrategie durch die BSC verstärkt hat. Folgerichtig sagen ebenso viele, die Strategieumsetzung im Unternehmen besser unterstützen und den Erfolg besser kontrollieren zu können.

Bei der täglichen Arbeit mit derartigen Instrumenten gibt es allerdings auch Probleme. So bemerken fast 50 Prozent der Befragten, dass sie Schwierigkeiten damit haben, die geeigneten Messgrößen auszuwählen und zu definieren. Fast genau so viele haben Probleme mit der Fixierung von Zielwerten. „Die Definition der Kennzahlen", so Habermann, „ist sicherlich eine echte Herausforderung und kann nur gelingen, wenn die Strategie des Unternehmens zuvor bis in Detail festgelegt ist und nicht umgekehrt". Dann kann sich die BSC als wirkliches Führungsinstrument im Unternehmen etablieren und ihre Funktion auch als Frühwarnsystem wahrnehmen. „Denn eine Unternehmenskrise", so Habermann, „kommt niemals von heute auf morgen. Es gibt immer eine ganze Reihe an Hinweisen. Durch die Balanced Scorecard hat auch ein mittelständisches Unternehmen die Möglichkeit, Krisen frühzeitig zu erkennen und damit eine realistische Chance, Gegenmaßnahmen rechtzeitig einzuleiten".

5. S&P distanziert sich von Callahan Nordrhein-Westfalen

Die Ratingagentur Standard & Poor nimmt sein Langzeitrating Triple-„C" und Doppel-„C" als nicht nachrangiges, nicht abgesichertes Schuldenrating für den deutschen Kabelnetzbetreiber Callahan Nordrhein-Westfalen GmbH (CNW) zurück.

Zur gleichen Zeit wurde auch das Triple-„C" Langzeit Unternehmenskreditrating und das höhere, gesicherte Schuldenrating von CNW´s Tochterfirma Kabel NRW GmbH ebenfalls zurückgezogen. Alle Ratings befanden sich auf der S&P's Credit Watch mit negativen Folgerungen, wo sie am ersten März 2002 platziert worden waren. Dies spiegelte die extrem schwache Finanzposition von CNW, bedingt durch einen Zahlungsverzug bei seiner 2,9 Milliarden Bankfazilität (die Hauptfinanzquelle der Gruppe), sowie weitere Einschränkungen wider. S&P sieht die langfristige Fähigkeit der Gruppe, mit ihrer hochgradig fremdfinanzierten Bilanz zu wachsen, stark eingeschränkt.

Die Ratings wurden einem Wunsch des Unternehmens folgend, das Rating nicht weiterzuführen, zurückgezogen, erläuert S&P den Vorgang. Dies belegt, dass insbesondere solche Unternehmen auf ein Rating verzichten, die über eine extrem schlechte Zahlungsfähigkeit verfügen und die Gläubiger des Unternehmens in besonders hohem Maße gefährden.

Bitte beachten Sie die für jede unserer Veröffentlichungen verbindlichen Hinweise auf http://www.everling.de.

© Everling